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Markteinstieg in Sambia

Sambia

In welchen Branchen können deutsche Unternehmen in Sambia besonders gut punkten?

An erster Stelle steht in Sambia der Bergbausektor: Das Land ist der zweitgrößte Kupferproduzent Afrikas und viele internationale Bergbaukonzerne sind in Sambia tätig. Viele Minenkonzerne investieren aktuell in die Erschließung neuer Lagerstätten sowie in die Modernisierung der Minen. Für deutsche Unternehmen bieten sich dabei interessante Chancen, zum Beispiel für effiziente und ressourcensparende Ausrüstung bei Kälte- und Lüftungsanlagen, moderne Aufzugs- und Fördertechniken oder Solar-Diesel-Hybridsysteme zur Energieversorgung.

Sambia will langfristig die Abhängigkeit von den Rohstoffpreisen in den nächsten Jahren reduzieren. Dazu sollen bestimmte Bereiche verstärkt gefördert werden, wie beispielsweise der Energiesektor und der Ausbau von Transportwegen. Sowohl die Straßen- als auch die Schienenwege werden mit Unterstützung internationaler Partner ausgebaut. Besondere Potenziale liegen zudem in den Bereichen Landwirtschaft, insbesondere bei Fragen der Energie- und Wassermanagements. Im Bereich der Stadtentwicklung sind innovative und integrierte Konzepte für Abwasser- und Müllentsorgung gefragt. Diese Diversifizierung Sambias eröffnet also vielfältige Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen.

Welche deutschen Unternehmen sind schon vor Ort? Gibt es bereits ein Netzwerk?

Es sind rund 30 deutsche Unternehmen in Sambia aktiv. Die bislang größte deutsche Investition in Sambia ist Amatheon Agri. Das Agarunternehmen bewirtschaftet seit November 2012 einen landwirtschaftlichen Betrieb mit der Größe von 38.000 ha Gesamtfläche (primär Mais, Soja, Viehwirtschaft). Produziert wird in erster Linie für den heimischen sambischen Markt. Die Chemiekonzerne BASF und Bayer sind ebenso in Sambia vertreten wie Bosch und das Frankfurter Ingenieurbüro Gauff, das rund 35 Mitarbeiter in Sambia beschäftigt. ABB (Mannheim) ist beim geplanten Ausbau und der Rehabilitierung der Stromnetze engagiert. Hinzu kommen die Aktivitäten der AB Bank Zambia, die seit fünf Jahren kleinste, kleinere und mittelgroße Unternehmen sowie private Haushalte der unteren Einkommensschichten mit Finanzdienstleistungen insb. Mikrokrediten versorgt und an der auch die KfW Entwicklungsbank beteiligt ist. Bayern ist über die BayWa in Sambia vertreten die im über ein Joint Venture mit dem südafrikanischen Unternehmen Balo World Landmaschinen in Sambia vertreiben.

Worauf sollten sich Unternehmer einstellen, die in Sambia geschäftlich aktiv werden möchten?

Aus meiner Sicht sind drei Dinge entscheidend: Netzwerk, Netzwerk, Netzwerk. Wer in Sambia ein Geschäft aufbauen möchte, muss vor Ort ein persönliches Kontaktnetzwerk zu Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft aufbauen. Wie in vielen anderen Ländern des südlichen Afrika braucht man dafür vor allem Geduld und persönliche Präsenz vor Ort. Mit Englisch als Amtssprache fällt das wahrscheinlich leichter als in anderen Ländern aber man muss sich darauf einstellen, dass ein Vertragsabschluss eine längere Vorbereitungszeit braucht. Das persönliche Netzwerk ist dabei am Ende wichtiger als ein technologisches Alleinstellungsmerkmale. Von daher ist es hilfreich, wenn man entweder schon Erfahrungen in anderen afrikanischen Ländern gemacht hat oder sich mit anderen Unternehmern dazu austauscht. Hilfreich ist, dass es zwischen Deutschland und Sambia sowohl ein Investitionsschutzabkommen als auch ein Doppelbesteuerungsabkommen gibt. Zur Eröffnung unserer Zweigstelle betonte der Vizeminister des sambischen Industrie- und Handelsministeriums, dass „deutsche Unternehmen eine bedeutende Rolle für Sambias wirtschaftliche Entwicklung spielen könnten“. Dass sich Anfang 2017 fünf deutsche Unternehmen aus den Bereichen Energie-, Gesundheitswirtschaft sowie der Telekommunikation eine Niederlassung in Sambia entschlossen haben, bestätigt diese Aussage.

Wie schätzen Sie die wirtschaftspolitische Lage in Sambia ein? Gibt es besondere Chancen / Risiken, die Unternehmen kennen sollten?

In Sambia koexistiert das Afrika der Chancen mit dem der Risiken. Neben reichhaltigen Bodenschätze, große Wasserreserven, einem günstiges Klima und politischer Stabilität findet man in Sambia auch für Afrika typische Risikofaktoren. Korruption, Ineffizienz, mangelnde Rechtssicherheit sind für Sambia genauso kennzeichnend wie fehlende Fachkräfte und substantielle Infrastrukturdefizite.

Sambia belegt im „Ease of Doing Business“ Ranking der Weltbank 98 von 189. Erstaunlich gut schneidet Sambia in der Katergorie „getting credit“ (Platz 19) ab, zählt in den Kategorien „enforcing contracts“ (Platz 134), Grenzüberschreitender Handel (Platz 152) und „Registrierung von Eigentum“ aber zu den Schlusslichtern des Rankings. Sambia bleibt mit einer Gesamtplatzierung auf Rang 97 aber weiterhin in der Top-10 aller Volkwirtschaften Sub-Sahara Afrikas.

Sambia wurde im Laufe des letzten Jahrzehnts zu einem der Staaten des „Afrika der Chancen“. Über zehn Jahren beeindruckte Sambia nicht nur mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum, das zwischen 2005 und 2015 bei durchschnittlich 6,6 % lag. Sambia im südlichen Afrika nach Südafrika und Angola zur drittgrößten Volkswirtschaft aufgestiegen. Rückgrat der sambischen Wirtschaft war und ist der Kupferbergbau, der mit rund 70% zu den Exporteinnahmen beiträgt. Auch abseits der reichhaltigen Bodenschätze ist Sambia einer der interessantesten Wirtschaftsstandorte im südlichen Afrika und verfügt über ein günstiges Klima, bedeutende ungenutzte landwirtschaftliche Nutzflächen sowie riesige Wasserreserven. Eine kaufkräftige und konsumfreudige Mittelschicht bevölkert die Einkaufszentren der Großstädte Lusaka, Kitwe und Ndola.

Insbesondere die Landwirtschaft wird in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen. Der Landwirtschaftssektor trägt zwar nur 20% zum BIP bei, beschäftigt jedoch etwa 70% der Bevölkerung. Für eine nachhaltige Armutsbekämpfung kommt Sambias Landwirtschaft daher eine Schlüsselstellung zu. Aufgrund reicher Wasserressourcen, einem gemäßigten Klima und ausgedehnten landwirtschaftlich nutzbaren Flächen bescheren dem Land einen potentiellen Selbstversorgungsgrad von über 200%. Bisher sind aber rund 85 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen ungenutzt. In den letzten Jahren wuchs die Zahl der kommerziellen Farmprojekte in Sambia. Eine Vielzahl von Agrarinvestoren sicherte sich Flächen in den ausgewiesenen Farmblocks. Gleichzeitig wird die Landwirtschaft zunehmend professionalisiert, weshalb langfristig ein Markt für Landtechnik bestehen dürfte. In der Lebensmittelproduktion konnten sich zudem bereits einige Unternehmen etablieren. Technische Lösungen im Bereich der Nahrungsmittelverarbeitung sowie der Energieeffizienz finden hier einen Markt, der wettbewerbsfähiger werden muss, um gegenüber der südafrikanischen Konkurrenz bestehen zu können. Der nächste nationale Entwicklungsplan von Sambia wird daher wohl auch das Thema Landwirtschaft in den Fokus setzten. Mehr staatlichen Aktivitäten und Investitionen in diesem Sektor können erwartet werden.

Was würden Sie einem Unternehmen empfehlen, das Geschäfte in Sambia aufbauen möchte?

Es ist wichtig, dass man vor Ort ist und die lokalen Bedürfnisse versteht. Also nicht einfach ein Angebot aus Kenia kopieren, sondern hier aktiv werden und Kontakte knüpfen. Wenn Sie eine Idee für ein Projekt haben und eine Förderung anstreben, empfehle ich, die berufliche Bildung gleich mitzudenken, Dies ist auch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem deutsche Unternehmen verlässlich punkten können. Und es sorgt für die nötige Nachhaltigkeit. Wer bereits eine Afrikastrategie hat oder Instrumente in ähnlichen Ländern entwickelt hat, verringert das eigene Risiko. Ein weiterer wichtiger Punkt, ist das Mitdenken möglicher Finanzierungsmodelle für die Kunden hier vor Ort oder das Einbringen eigener Finanzmittel.

Wir unterstützen dt. Unternehmen mit verlässlichen Informationen zu Geschäftsmöglichkeiten und Kontakten sowie praktischen Hilfestellungen vor Ort. Um Unternehmen beim Markteinstieg und Ausbau ihrer Tätigkeit in Sambia zu beraten und unterstützen bauen wir ein bilaterales Netzwerk im Land auf. So werden zuverlässige Kontakte zu den relevanten Akteuren aus Regierung und Behörden sowie in der Privatwirtschaft ermöglicht.


Info & Kontakt

Johannes Kurt, Leiter der AHK-Aussenstelle in Lusaka, ist über das Programm ExperTS im Einsatz, einer Kooperation zwischen dem Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Er berät Unternehmen also auch zu entwicklungspolitischen Förderprogrammen, denn in Sambia gehen sehr häufig wirtschaftliche mit entwicklungspolitischen Interessen einher. Das Büro der AHK südliches Afrika in Sambia ist damit erster Anlaufpunkt für alle, die nachhaltige Investitionen planen, exportieren und neue Märkte erschließen möchten.

Kontaktdaten

AHK Subsahara Afrika

Südafrika
Tel.: +27 (0)11 486 2775
www.germanchamber.co.za
Geschäftsführer: Matthias Boddenberg

Mosambik
Tel.: +258 2149 3260
Repräsentant: Dr. Friedrich Kaufmann
gefördert durch

Sambia
Tel.: +260 (0)211 372 687
Repräsentant: Johannes Kurt
gefördert durch

Angola
Tel: +244 - 946267525
www.angola.ahk.de
Delegierter: Ricardo Gerigk

Ghana
Tel: +233 302 631 681/2/
www.ghana.ahk.de
Delegierter: Maximilian Butek

Kenia
Tel: +254 20 66330-00
www.kenia.ahk.de
Delegierte: Maren Diale-Schellschmidt

Tansania
Tel: +255 754 309 150
Repräsentant: Dr. Jennifer Schwarz

Nigeria
Tel: +234 1 270 0746, 2700747
www.nigeria.ahk.de
Delegierter: Dr. Marc Lucassen

GTAI
Tel: +49 (0)228 24 993-288
www.gtai.de
Edith Mosebach